
Low-Code / No-Code
Low-Code und No-Code sind Ansätze in der Softwareentwicklung, die es ermöglichen, Anwendungen mit wenig oder ganz ohne Programmierkenntnisse zu erstellen. Dabei werden Funktionen, Layouts und Logiken in grafischen Oberflächen zusammengesetzt, meist per Drag-and-drop. So entstehen Websites, interne Tools oder Apps oft deutlich schneller als mit klassischer Programmierung.
Was ist der Unterschied zwischen Low-Code und No-Code?
Beide Konzepte verfolgen das Ziel, den Entwicklungsaufwand zu reduzieren. Der Unterschied liegt im Grad der technischen Eingriffsmöglichkeit:
- Low-Code-Plattformen richten sich an technisch affine Personen oder Entwicklerteams. Sie ermöglichen visuelle Entwicklung, lassen sich aber bei Bedarf durch eigenen Code (z. B. JavaScript oder SQL) erweitern.
- No-Code-Plattformen zielen auf Anwenderinnen und Anwender ohne IT-Kenntnisse. Anwendungen werden vollständig durch Konfiguration und Vorlagen erstellt – ganz ohne Zugriff auf den Quellcode.
In der Praxis nähern sich viele Plattformen einander an: Sie bieten einfache Startoptionen für Laien, erlauben aber erweiterte Funktionen für Fortgeschrittene.
Wie funktioniert Low-Code/No-Code?
Anwendungen entstehen in visuellen Entwicklungsumgebungen durch das Kombinieren vorgefertigter Bausteine wie Formulare, Datenmodelle oder Abläufe. Über Menüs, Regeln und Einstellungen werden diese konfiguriert. Datenschnittstellen (APIs) oder Verbindungen zu Unternehmenssystemen wie CRM oder ERP lassen sich häufig per Assistent aktivieren.
So können Fachabteilungen schnell Prototypen oder produktive Anwendungen erstellen. Dieser Ansatz wird oft als Citizen Development bezeichnet.
Vorteile von Low-Code/No-Code
Low-Code und No-Code bieten Unternehmen mehrere Vorteile, insbesondere bei der schnellen Umsetzung einzelner Digitalisierungsbausteine:
Schnellere Entwicklung
- Anwendungen entstehen häufig in Tagen statt in Wochen oder Monaten
- Anpassungen lassen sich schnell umsetzen, ohne umfangreiche Entwicklungsprojekte
Geringere Kosten
- Es werden weniger oder keine externen Entwickler benötigt
- Wartung und Weiterentwicklung fallen oft schlanker aus, weil Standards genutzt werden
Stärkung der Fachabteilung bzw. Entlastung der IT-Abteilung
- Fachabteilungen können einfache Anwendungen und Workflows selbst umsetzen
- Die IT-Abteilung gewinnt Kapazitäten für komplexere Themen und Governance
Niedrige Einstiegshürde
- No-Code eignet sich gut für einen schnellen Einstieg ohne Vorkenntnisse
- Schulungen bleiben häufig kurz und praxisnah
Nachteile von Low-Code/No-Code
Trotz der Vorteile gibt es Grenzen und Risiken:
Eingeschränkte Individualisierung
- Für sehr komplexe Anforderungen reichen Standardbausteine oft nicht aus
- Optisch folgen viele Low-Code/No-Code-Lösungen ähnlichen Mustern; vollständig individuelle Designs erfordern teils Zusatzaufwand
Abhängigkeit von Anbietern
- Funktionsumfang, Roadmap und Preismodelle hängen vom jeweiligen Anbieter ab
- Ein Wechsel zu einer anderen Plattform kann aufwendig sein (Lock-in-Risiko)
Datenschutz & Sicherheit
- Bei Cloud-Lösungen verarbeitet der Anbieter Daten, was eine sorgfältige Prüfung (z. B. DSGVO, Auftragsverarbeitung, Speicherort) erfordert
- Weit verbreitete Plattformen können attraktive Ziele für Hackerangriffe sein
Anwendungsbereiche von Low-Code/No-Code
Low-Code/No-Code-Plattformen kommen in vielen Unternehmensbereichen zum Einsatz, zum Beispiel:
- Websites: Website-Baukästen ermöglichen Aufbau und Pflege ohne HTML-Kenntnisse
- Prozessautomatisierung: Workflows für Urlaubsanträge, Freigaben oder Kundenanfragen
- CRM- oder Datenbanklösungen: Strukturierte Erfassung und Verwaltung von Kundendaten ohne großes IT-Projekt
- Individuelle Dashboards: KPI-Übersichten und Statusberichte, abgestimmt auf den Bedarf
Auch im Projektmanagement, der Lagerlogistik oder im Personalwesen lassen sich Prozesse mit Low-Code-Entwicklung häufig effizient unterstützen.
Low-Code- und No-Code-Plattformen beschleunigen digitale Entwicklungen im Unternehmen und fördern Eigeninitiative in Fachbereichen. Dennoch sollten sie in enger Abstimmung mit der IT-Abteilung genutzt werden, um Sicherheit, Datenqualität und langfristige Wartbarkeit sicherzustellen.
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