Dr. Inga Haase
Dr. Inga Haase ist Geschäftsführerin und Mitgründerin der lenne.Tech GmbH in Lennestadt, einem ganzheitlichen Digitalisierungsunternehmen in Südwestfalen. Als promovierte Expertin in den Bereichen Kommunikation, Innovation und KMU konzipiert, gestaltet und entwickelt sie digitale Projekte, Prozesse und Inhalte. Von individuellen Apps und Webanwendungen bis zu Weiterbildungsformaten rund um Softwareentwicklung und Digitalisierung. In Südwestfalen engagiert sie sich zudem für Start-ups, Wirtschaftsförderung und digitale Bildung in der Region.
Wie wirken sich Digitalisierung und digitale Transformation auf die Nachhaltigkeit aus?
Wenn es um Unternehmen im Allgemeinen, die Industrie oder die Wirtschaft geht, werden Nachhaltigkeit, Digitalisierung und digitale Transformation oft in einem Atemzug erwähnt. Warum das so ist und wie du deine digitalen Vorhaben nachhaltig(er) gestalten kannst, habe ich im folgenden Beitrag für dich aufbereitet.
Ich beziehe mich dabei vor allem auf den Bereich der Umwelt. Eines der drei Kriterien von ESG, das für Unternehmen zunehmend wichtiger wird.
Warum die digitale Transformation in Unternehmen und Industrie so wichtig für die Umwelt ist
Deutschland hat große Ziele: Bis 2030 sollen die Treibhausgasemissionen in Deutschland gegenüber 1990 um mindestens 65 % sinken, bis 2045 soll Deutschland netto treibhausgasneutral sein. Die Wirtschaft insgesamt und gerade die Industrie spielen dabei eine entscheidende Rolle, denn letztere ist nach der Energiewirtschaft der zweitgrößte Emittent von Treibhausgasen, noch vor den Bereichen Gebäude und Verkehr. Laut Umweltbundesamt sind diese Ziele erreichbar.

Was haben Digitalisierung und digitale Transformation damit zu tun?
Sie können nachweislich dabei helfen, diese Ziele zu erreichen. Laut einer Bitkom-Studie über Klimaeffekte der Digitalisierung kann die Industrie in Deutschland durch Digitalisierung bis 2030 bis zu 12,7 Millionen Tonnen CO₂ einsparen.
Die Grundlagen: Was ist Digitalisierung und was bedeutet digitale Transformation?
Insbesondere in Bezug auf Industrie, Verwaltung und Gesellschaft bedeutet Digitalisierung, analoge Prozesse durch digitale Technologien zu ersetzen. Das heißt konkret: Alles, was wir bislang mühsam von Hand erledigen mussten, übernehmen dank der Digitalisierung Computer und Software. Und das zum großen Teil sogar eigenständig und automatisiert. Die digitale Transformation umfasst hingegen den Wandel von Geschäftsmodellen, Prozessen und Strukturen durch den Einsatz digitaler Technologien.
Beides bringt verschiedene Vorteile mit sich, darunter die Einsparung von Zeit und Kosten für die jeweiligen Unternehmen, aber auch eine Reduzierung des CO₂-Ausstoßes.
Im weiteren Verlauf betrachten wir schwerpunktmäßig die Digitalisierung, aber die digitale Transformation ist mit den jeweiligen Aspekten eng verbunden. Allgemeine Informationen zur Definition und zu Hintergründen der Digitalisierung findest du hier.
Chancen und Vorteile von Digitalisierung für Nachhaltigkeit und Umwelt
Du kannst in deinem Unternehmen in vielen verschiedenen Unternehmensbereichen und auf viele verschiedene Arten digitalisieren. Daraus ergeben sich auch Chancen und Vorteile für die Nachhaltigkeit. Besonders wichtig sind dabei die folgenden sechs Aspekte: ressourcenschonende Produktion, ressourcenschonende Verwaltung, nachhaltige(re) Lieferketten, Remote Work, Vereinfachung des Umwelt-Reportings, optimierte Energienutzung. Alle sechs werden wir uns nun gemeinsam näher anschauen.
Ressourcenschonende Produktion
- Optimierte Lagerhaltung: Eine vernetzte Lagerhaltung überwacht den Materialbedarf in der Produktion. Dadurch liegt immer genau so viel Material im Lager, wie benötigt wird – nicht mehr und nicht weniger. Das verhindert Überlagerungen und dadurch Abfall.
- Frühzeitige Fehlererkennung: Sensoren erkennen frühzeitig, wenn in der Produktion etwas schiefläuft. Das reduziert Fehlproduktionen.
- Digitale Zwillinge: Virtuelle Testläufe simulieren die Produktion neuer oder veränderter Produkte und Produktionsprozesse. Dadurch fallen Fehler auf, bevor Ressourcen verbraucht wurden.
- Optimierter Materialverbrauch: Automatisierte Produktionsprozesse arbeiten präzise und materialschonend. Das reduziert Verschnitt.
- Additive Fertigung: Der 3D-Druck ist eine ressourcenschonende Möglichkeit, komplexe Bauteile und Einzelteile zu fertigen.
Ressourcenschonende Verwaltung
- Papierloses Büro: Durch digitale Verwaltung sinkt der Papierverbrauch und ganz nebenbei auch der Platzbedarf für die Archivierung.
- Vernetzte Zusammenarbeit: Durch abteilungsübergreifende Systeme hat die Verwaltung alles im Blick, ohne das Büro verlassen zu müssen. Das verringert das Risiko von Fehlplanungen und reduziert Fahrwege zwischen Standorten.
Nachhaltigere Lieferkette
- Nachvollziehbare Lieferketten: Die digitale Nachverfolgbarkeit einzelner Ressourcen hilft dabei, nachhaltige Einkaufsentscheidungen zu treffen und die Kreislaufwirtschaft zu fördern.
- Optimierte Transportwege: Digitale Tools überwachen die Logistik und helfen dabei, den Transport der Waren und Güter nachhaltig zu planen. Das reduziert unnötige Wege.
Remote Work
- Virtuelle Zusammenarbeit: Homeoffice und digitale Meetings reduzieren den Bedarf an Büroflächen und den Energieverbrauch beim Pendeln.
Vereinfachung des Umwelt-Reportings
- Automatische Datensammlung und -auswertung: Digitale Prozesse sammeln Daten aus allen Unternehmensbereichen, werten sie nach vorgegebenen Gesichtspunkten aus und geben Anhaltspunkte, wo das Unternehmen noch umweltfreundlicher handeln kann.
- Einhaltung gesetzlicher Vorschriften: Auch wenn Vorschriften wie CSRD und ESG bislang nur für große Unternehmen gelten, steigen die regulatorischen Anforderungen an die Nachhaltigkeit. Die Digitalisierung hilft dabei, diese Anforderungen zu erfüllen.
Optimierte Energienutzung
- Automatisierte Energiesteuerung: Smart Grids ermöglichen eine bessere Integration erneuerbarer Energien und eine effizientere Verteilung von Energie.
- Intelligente Energienutzung: Intelligente Systeme helfen dabei, vorhandene Energie wie Abwärme mehrfach zu nutzen.
Herausforderungen und Nachteile von Digitalisierung für Nachhaltigkeit und Umwelt
Natürlich gibt es aber auch Risiken und Herausforderungen, die die Digitalisierung in Bezug auf Umweltfreundlichkeit mit sich bringt. Die gute Nachricht ist, dass du sie durch gezielte Maßnahmen reduzieren kannst. Dabei geht es insbesondere um den hohen Energieverbrauch, den hohen Bedarf an seltenen Ressourcen und den entstehenden Elektroschrott.
Hoher Energieverbrauch
- Stromverbrauch der Rechenzentren: Digitales und vernetztes Arbeiten braucht leistungsstarke Server – und die wiederum brauchen Strom.
- Energieintensive Technologien: Künstliche Intelligenz und Blockchain helfen bei der Digitalisierung und Automatisierung, sind aber besonders energieintensiv.
Tipp
Es gibt nachhaltige Rechenzentren, die mit grünem Strom betrieben werden und die entstehende Abwärme für andere Zwecke nutzen. Bei der Auswahl des Rechenzentrums kannst du also durchaus nachhaltig handeln.
Hoher Bedarf an seltenen Ressourcen
- Verbrauch seltener Rohstoffe: Digitalisierung braucht smarte Geräte, für deren Herstellung seltene Erden und Edelmetalle wie Gold, Lithium oder Kobalt benötigt werden. Der Abbau erfolgt oft nicht nachhaltig.
- Hoher Wasserverbrauch: Für die Gewinnung der seltenen Rohstoffe und für die Kühlung von Servern wird Wasser verbraucht.
Tipp
Wenn du die verwendeten Geräte mit Bedacht auswählst, kannst du dennoch nachhaltig digitalisieren. Achte darauf, welche Umweltstandards die Hersteller der Geräte einhalten. Immer mehr Hersteller setzen auf umweltfreundlich und sozial verantwortlich gewonnene Materialien und Recycling.
Elektroschrott
- Kurze Lebenszyklen der Geräte: Immer neue Technologien erfordern immer neue Geräte, während die alten Geräte entsorgt werden. Dadurch entstehen Millionen Tonnen Elektroschrott – und Jahr für Jahr werden es mehr.
- Schlechtes Recycling: Die Rohstoffe in ausgedienten Elektrogeräten können recycelt werden. In der Praxis passiert das jedoch längst nicht immer. In der EU liegt der Recyclinganteil laut Europäischem Parlament bei unter 40 %.
- Umweltverschmutzung durch unsachgemäße Entsorgung: Werden Elektrogeräte nicht recycelt, sondern unsachgemäß entsorgt, können die enthaltenen Rohstoffe die Umwelt und unser Grundwasser verschmutzen.
Tipp
Das Recycling ist ein guter Hebel für mehr Nachhaltigkeit bei der Digitalisierung. Durch sichere Datenbereinigung schenkst du Computern und Smartphones ein zweites Leben. Alte Hardware übergibst du an vertrauenswürdige Recycling-Unternehmen, damit die enthaltenen Rohstoffe erneut verwendet werden können.

Quelle: Eigene Abbildung
Drei praktische Tipps für nachhaltige Digitalisierung
Du siehst: Digitalisierung sowie digitale Transformation und Nachhaltigkeit schließen sich nicht aus. Die Frage ist nur: Wie fängst DU an? Damit dir die Beantwortung dieser Frage leichter fällt, habe ich die folgenden drei Tipps für dich zusammengestellt:
1. Entwickle eine nachhaltige Digitalisierungsstrategie
Natürlich kannst du einfach irgendwie anfangen und neue Hardware kaufen oder ein neues ERP-System einführen. Das kann schnell erste Erfolge bringen. Allerdings kann es auch dazu führen, dass du in ein paar Jahren alles noch einmal machen musst, weil du wichtige Aspekte nicht bedacht hast. Dein Unternehmen zu digitalisieren ist eine große Veränderung, und die solltest du unbedingt durchdacht und strategisch angehen. Entwickle daher eine Digitalisierungsstrategie, bevor du startest.
2. Hol dir Unterstützung von Expertinnen und Experten
Bei der Digitalisierung deines Unternehmens gibt es eine Menge zu beachten. Du brauchst eine Strategie, passende Technologien, die richtigen Tools, du musst Prozesse anpassen usw.
Die gute Nachricht ist: Du musst nicht alles alleine machen.
In Südwestfalen haben wir zahlreiche Anlaufstellen, die dich bei der nachhaltigen Digitalisierung unterstützen. Dazu gehören unter anderem der Transferverbund, und Dienstleistungsunternehmen aus den Bereichen Softwareentwicklung, KI und Nachhaltigkeit. Passende Expertinnen und Experten für dein Projekt findest du auf unserer Dienstleisterübersicht.
3. Lass dich mit staatlichen Förderungen finanziell unterstützen
Damit dich finanzielle Aspekte nicht davon abhalten, dein Unternehmen nachhaltig zu digitalisieren, gibt es verschiedene staatliche Fördermöglichkeiten. In der Regel unterstützen dich Fördermittelberatungen dabei, die passende Förderung auszuwählen und zu beantragen.
Fazit: Digitalisierung und digitale Transformation unterstützen Nachhaltigkeit
Digitale Technologien und Tools in all ihren Facetten können Unternehmen dabei helfen, nachhaltiger zu wirtschaften, zum Beispiel beim effizienteren Einsatz von Ressourcen.
Mehr noch: Ohne Digitalisierung wird es nahezu unmöglich, die angestrebten Klimaziele zu erreichen, wie verschiedene Studien bestätigen (siehe Literaturverzeichnis). Darunter auch Fallstudien des Bundesministeriums für Umweltschutz. Sie thematisieren z.B. Möglichkeiten einer 50-prozentigen Energieeinsparung durch die digitale Erfassung und Analyse von Leckagen oder einer 25-prozentigen Materialeinsparung mithilfe einer App zur Werkzeugerfassung.
Aber natürlich ist nicht alles, was digital ist, auch automatisch nachhaltig und umweltfreundlich. Durch die bewusste Auseinandersetzung mit diesem Thema und fähige Unterstützung, kannst du allerdings die vorhandenen Potenziale, wie umweltfreundliche Rechenzentren, nutzen, um möglichst nachhaltig zu wirtschaften.
Bitkom. (2024). Digitalisierung kann 2030 mehr als 70 Millionen Tonnen CO₂ einsparen.
Europäisches Parlament. (2024). Elektro- und Elektronikschrott in der EU: Zahlen und Fakten.
Sustainability Transformation Monitor (Hrsg.). (2024). Sustainability Transformation Monitor 2024.
Sustainability Transformation Monitor (Hrsg.). (2025). Sustainability Transformation Monitor 2025.
Umweltbundesamt. (2025). Treibhausgasminderungsziele Deutschlands.
Dr. Inga Haase
Dr. Inga Haase ist Geschäftsführerin und Mitgründerin der lenne.Tech GmbH in Lennestadt, einem ganzheitlichen Digitalisierungsunternehmen in Südwestfalen. Als promovierte Expertin in den Bereichen Kommunikation, Innovation und KMU konzipiert, gestaltet und entwickelt sie digitale Projekte, Prozesse und Inhalte. Von individuellen Apps und Webanwendungen bis zu Weiterbildungsformaten rund um Softwareentwicklung und Digitalisierung. In Südwestfalen engagiert sie sich zudem für Start-ups, Wirtschaftsförderung und digitale Bildung in der Region.
