Robin Matthäi
Robin Matthäi ist Geschäftsführer der SQUAREMOON GmbH in Küssnacht am Rigi (CH) – einer Agentur für SEO, AIO und weitere Optimierungen für digitale Präsenzen.
Mit dem Konzept des „24/7-Verkäufers“ hilft er Unternehmen, Websites zu entwickeln, die Kunden gewinnen, während das Team sich auf wertschöpfende Arbeiten konzentrieren kann.
Wenn ich an meinen Einstieg in die Suchmaschinenoptimierung denke, sehe ich zuerst einen Besucherzähler vor mir. Er stand ganz unten auf meiner Website, die ich beim damaligen „Homepage-Baukasten“ erstellt hatte. Es war die Zeit, in der viele GIFs offenbar zu einer ordentlichen Homepage gehörten. Meine Seite war da. Nur der Zähler wollte nicht so recht steigen.
Ich fragte mich, warum kaum jemand vorbeikam. In einem Forum las ich, dass ich mich mit SEO beschäftigen müsse. Also tat ich das. Nach meiner Erinnerung stieg der Besucherzähler danach, weil meine Website bei Google und anderen Suchmaschinen gefunden wurde.
Das war keine kontrollierte Erfolgsmessung und schon gar keine Umsatzrechnung. Aber ich hatte etwas verstanden, das mich bis heute beschäftigt: Eine Website braucht einen Weg zu den Menschen, für die sie gedacht ist. Für Unternehmen kommt die wirtschaftliche Frage dazu: Was bekomme ich durch diesen Weg zurück?
Ich sehe SEO als Investition in Auffindbarkeit
Suchmaschinenoptimierung, kurz SEO, soll Ihre Leistungen bei relevanten Suchanfragen auffindbar machen. Mich interessiert dabei vor allem, ob jemand mit einem passenden Anliegen auf die richtige Seite gelangt. Eine hohe Besucherzahl allein sagt darüber wenig aus.
Wer eine Dienstleistung sucht, Angebote vergleicht oder ein konkretes Problem lösen möchte, braucht hilfreiche Antworten. Kann Ihre Website diese liefern, entsteht eine Geschäftschance. Gleichzeitig kann Ihr Unternehmen als fachlich relevante Anlaufstelle wahrgenommen werden.
Darin liegt für mich der Wert von SEO. Trotzdem muss man sauber unterscheiden: Sichtbarkeit, Markenwirkung und mögliche Anfragen sind noch kein belegter positiver Return on Investment. Auch die Sichtbarkeit selbst ist nicht zugesichert. Google erläutert diese Grenzen im SEO-Starterleitfaden.
Der Besuch ist erst der Anfang
Wenn ich über den wirtschaftlichen Nutzen von SEO nachdenke, gehört die Landingpage immer dazu. Das ist die Zielseite, auf der ein Interessent nach seiner Suche ankommt. Sie muss die Erwartung aufnehmen, die ihn zum Klick gebracht hat.
Erkennt der Besucher, für wen Sie arbeiten? Versteht er Ihre Leistung und deren Nutzen? Findet er nachvollziehbare Belege und einen passenden Kontaktweg? Diese Fragen entscheiden mit darüber, ob aus Interesse eine Anfrage werden kann.
Ein gut platzierter Kontaktbereich, eine verständliche Handlungsaufforderung und ein funktionierendes Formular schaffen den Übergang zum Vertrieb. „Beratung zur passenden Lösung anfragen“ erklärt beispielsweise deutlicher, was folgt, als ein allgemeines „Mehr“. Diese Nutzerreise wird häufig Customer Journey genannt.
Sie endet für mich nicht beim abgeschickten Formular. Jemand muss die Anfrage beantworten und prüfen, ob Bedarf und Angebot zusammenpassen. Erst dann wird aus einem Kontakt ein qualifizierter Lead, also eine realistische Geschäftschance.
Relevante Sichtbarkeit → Besuch → Anfrage → qualifizierter Lead → Abschluss → wirtschaftlicher Beitrag
Eine gute Landingpage verbessert die Voraussetzungen auf diesem Weg. Einen Auftrag garantiert sie nicht. Angebot, Preis, Vertrauen und persönliche Vertriebsarbeit bleiben entscheidend.
Keine Klickgebühren bedeuten nicht keine Kosten
Ein Grund, warum ich SEO langfristig interessant finde: Für einen organischen Suchtreffer müssen Sie keine zwingende Klickgebühr bezahlen. Die Auffindbarkeit wird durch Inhalte, Struktur und technische Qualität erarbeitet.
Wichtig
„SEO ist kostenlos“ wäre trotzdem die falsche Schlussfolgerung. Recherche und Inhalte benötigen Zeit. Technik, Werkzeuge, externe Betreuung und Pflege können Geld kosten. Auch die Stunden Ihrer eigenen Fachpersonen gehören in die Rechnung.
Wer zugleich die gesamte Website verbessert, sollte gemeinsam genutzte Kosten nachvollziehbar zuordnen. Eine neue Kontaktstrecke hilft möglicherweise auch Besuchern aus Anzeigen oder bestehenden Kunden. Alles nur SEO zuzuschreiben, verzerrt den Vergleich ebenso wie das Weglassen dieser Kosten.
Was der SEO-ROI tatsächlich zeigt
Ich würde eine SEO-Investition anhand des zusätzlichen Deckungsbeitrags bewerten. Gemeint ist der Umsatz, der nach Abzug der zugehörigen variablen Kosten verbleibt. Daraus lässt sich folgende Rechnung aufbauen:
SEO-ROI = (zusätzlicher, SEO zurechenbarer Deckungsbeitrag − gesamte zurechenbare SEO-Kosten) ÷ gesamte zurechenbare SEO-Kosten × 100
Zeitraum, Kostenumfang und Deckungsbeitragsstufe müssen feststehen. Kosten dürfen weder fehlen noch doppelt abgezogen werden. Diese Rechnung bewertet die Marketinginvestition; sie ersetzt keine vollständige Unternehmensgewinnrechnung. Auch Googles ROI-Erläuterung berücksichtigt Ertrag und Kosten.
Ein fiktives Rechenbeispiel
Alle folgenden Zahlen sind frei gewählte Annahmen, keine Branchenwerte und keine Ergebnisse eines Kundenprojekts. Ein Dienstleistungsunternehmen investiert über zwölf Monate insgesamt 12.000 Euro in SEO. Enthalten sind externe Leistungen, interne Arbeitszeit, Inhalte, Technik und Werkzeuge.
Wir nehmen an, dass daraus 3.000 zusätzliche relevante Besuche entstehen. Bei einer Anfragequote von zwei Prozent ergeben sich 60 Anfragen. Die Hälfte passt zum Angebot: 30 qualifizierte Leads. Eine Abschlussquote von 30 Prozent führt zu neun Aufträgen.
Jeder Auftrag liefert nach den berücksichtigten variablen Kosten 2.000 Euro Deckungsbeitrag. Sind die neun Aufträge tatsächlich zusätzlich entstanden und SEO zurechenbar, stehen 18.000 Euro zusätzlicher Deckungsbeitrag den 12.000 Euro SEO-Kosten gegenüber.
(18.000 Euro − 12.000 Euro) ÷ 12.000 Euro × 100 = 50 Prozent
Wichtig
Bei nur fünf entsprechenden Aufträgen läge der Deckungsbeitrag bei 10.000 Euro. Der ROI wäre dann rund minus 16,7 Prozent. Das Beispiel zeigt, warum Sichtbarkeit allein keine Renditegarantie ist.
Eine umsatzbasierte Kennzahl kann ergänzend nützlich sein. Ohne Berücksichtigung der Kosten Ihrer verkauften Leistung lässt sich daraus allerdings nicht zuverlässig ablesen, ob die Investition profitabel war.
Ich möchte wissen, was nach dem Klick passiert
Die Google Search Console zeigt Suchanfragen, Impressionen, Klicks und durchschnittliche Positionen (wichtige KPIs). Diese Informationen helfen, die Auffindbarkeit zu beurteilen. Für die wirtschaftliche Bewertung brauche ich zusätzlich die Qualität der Anfragen, die Abschlüsse und deren Beitrag.
Die Zuordnung ist dabei selten vollkommen eindeutig. Ein Interessent kann einen Ratgeber lesen, später eine Anzeige anklicken und erst nach einem Gespräch beauftragen. Attributionsmodelle verteilen den Beitrag auf verschiedene Kontaktpunkte. Eine solche Zuordnung beweist jedoch nicht automatisch, dass der Auftrag ohne SEO ausgeblieben wäre.
Deshalb sollten bestehende Nachfrage, Saisonalität und andere Marketingmaßnahmen berücksichtigt werden. Nicht jeder organisch entstandene Auftrag ist ein zusätzlicher Erfolg der neuen Investition. Markenwirkung würde ich gesondert beobachten, etwa durch Markensuchen oder Befragungen. Vermutete Bekanntheit ist kein gemessener Umsatz.
Langfristig denken, unterwegs nachprüfen
Was ich an SEO schätze, ist die mögliche Wirkung über längere Zeit. Ein hilfreicher Inhalt kann weiter gefunden werden, nachdem seine Erstellung bezahlt wurde. Weitere relevante Seiten können diese Grundlage verbreitern.
Suchmaschinenwerbung, kurz SEA, kann schneller bezahlte Reichweite erzeugen. Wenn Sie eine Google-Ads-Kampagne pausieren, stoppen deren Anzeigen. Bestehende organische und direkte Zugänge verschwinden dadurch nicht insgesamt. Auch Anzeigenbesucher brauchen eine überzeugende Zielseite; Umsatz entsteht nicht automatisch.
Wichtig
Bei SEO bleiben Pflege und Wettbewerb relevant. Suchnachfrage und Rankings können sich verändern. Einen ersten Platz würde ich niemals als dauerhaft gesichert betrachten. Ebenso wenig gibt es eine allgemeine Frist, nach der SEO profitabel sein muss. Ausgangslage und Verkaufszyklus bestimmen, welcher Betrachtungszeitraum sinnvoll ist.
Auch KI-Sichtbarkeit muss wirtschaftlich eingeordnet werden
AIO, Artificial Intelligence Optimization, ergänzt die Aufbereitung für KI-gestützte Such- und Antwortsysteme. GEO, Generative Engine Optimization, beschäftigt sich mit der möglichen Verwendung und Zitierung von Inhalten in generativen Antworten. Auch hier geht es um zugängliche, verständliche und belegbare Informationen.
Für Googles AI Overviews und AI Mode gelten weiterhin die grundlegenden SEO-Anforderungen. Google nennt keine zusätzlichen speziellen technischen Voraussetzungen. Eine Nennung lässt sich daraus nicht garantieren.
Außerdem führt Sichtbarkeit nicht immer zu Besuchen. Eine Pew-Analyse von Suchaktivitäten von 900 US-Erwachsenen im März 2025 beobachtete bei Suchseiten mit KI-Zusammenfassung seltener Klicks auf klassische Ergebnisse. Die Suchergebnisse wurden nachträglich rekonstruiert. Daraus folgt weder eine allgemeine DACH-Prognose noch ein kausaler Nachweis für eine einzelne Website.
Wie Sie Ihre Website konkret für KI-Suche und generative Antworten aufstellen, habe ich ausführlicher in meinem Beitrag Digital auffindbar im KI-Zeitalter beschrieben.
Wann ich SEO für sinnvoll halte
Ich sehe gute Voraussetzungen, wenn Ihre Zielgruppe nach passenden Lösungen sucht, Ihre Leistungen einen ausreichenden wirtschaftlichen Beitrag ermöglichen und Sie Website sowie Vertrieb verlässlich weiterentwickeln können.
Vor einer größeren Investition würde ich fünf Fragen beantworten:
- Welche Suchanfragen passen zu unseren Leistungen und Zielkunden?
- Welche Zielseiten beantworten diesen Bedarf verständlich?
- Wie werden Anfragen qualifiziert und weitergeführt?
- Welchen zusätzlichen Deckungsbeitrag muss die Investition tragen?
- Wann prüfen wir welche Ergebnisse und wann passen wir unseren Plan an?
Mein damaliger Besucherzähler hat mir gezeigt, dass eine Website gefunden werden muss. Heute interessiert mich zusätzlich, was aus diesen Besuchen wird. Ich bin überzeugt, dass Unternehmen organische Auffindbarkeit als langfristige Investition ernst nehmen sollten. Wirtschaftlich trägt sie sich dann, wenn passende Nachfrage, ein verständliches Angebot und ein funktionierender Vertriebsweg zusammenkommen.
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